Was Ihre Smartwatch über Ihre Gesundheit weiß, wer es sehen kann und wie Sie es in drei Schritten abschotten

Ihre Smartwatch erfasst Puls, Schlaf, Sauerstoffsättigung, Standort und teilweise den Menstruationszyklus. Was Artikel 9 DSGVO wirklich abdeckt, was eine gemeinsame Prüfung von sieben deutschen Aufsichtsbehörden an 16 Wearables ergab, was eine begutachtete Analyse von 2025 über 17 Hersteller fand, und die drei Einstellungen, die den größten Teil der Angriffsfläche in fünf Minuten wegnehmen.
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Ihre Uhr zählt keine Schritte. Sie erzählt Sie: wann Sie schlafen, wann Sie unter Druck stehen, welche Straßen Sie jeden Morgen laufen und, bei manchen, wann Sie Ihre Periode haben.
Die unbequeme Frage des Jahres 2026 ist nicht, wie viele Kalorien Sie verbrannt haben. Sie lautet: wer das alles sonst noch liest.
Kurz gefasst: Smartwatches erfassen Puls, Schlaf, Sauerstoffsättigung, Temperatur, Standort und teilweise den Menstruationszyklus. Nach Artikel 9 DSGVO sind das besondere Kategorien personenbezogener Daten, deren Verarbeitung grundsätzlich untersagt ist, solange keine Ausnahme greift. Die Lücke ist nicht das Gesetz: bei einer gemeinsamen Prüfung von sieben deutschen Aufsichtsbehörden an 16 Wearables erfüllte kein einziges Gerät die datenschutzrechtlichen Anforderungen vollständig. Und eine begutachtete Analyse von 2025 über 17 Hersteller zeigt, dass die Branche ausgerechnet daran am schlechtesten ist, Ihnen zu sagen, was mit Ihren Daten passiert.
Was Ihr Handgelenk wirklich aufzeichnet
Eine moderne Uhr misst nicht eine Sache: Sie baut rund um die Uhr ein Porträt Ihres Körpers. Das erfassen die meisten, ohne dass Sie darüber nachdenken:
Jeder Wert für sich wirkt harmlos. Zusammen, über Monate, sind sie ein Profil, das für viele Leute Geld wert ist, die nicht Sie sind.
2018 legte die öffentliche Heatmap von Strava ungewollt die Lage und die Patrouillenwege geheimer Militärbasen offen. Es reichten die Laufstrecken der Soldaten mit ihren Uhren. Eine Sport-App, ein Standortwert und ein Staatsgeheimnis im Freien. Ihre tägliche Routine sagt dasselbe über Sie.
Wer es sehen kann (und warum das Gesetz Sie nicht so schützt, wie Sie denken)
Die meisten gehen davon aus, dass die Daten ihrer Uhr so geschützt sind wie ihre Patientenakte. Auf dem Papier steht Deutschland tatsächlich gut da: Nach Artikel 9 Absatz 1 DSGVO sind Gesundheitsdaten eine besondere Kategorie, deren Verarbeitung grundsätzlich untersagt ist, solange keine der Ausnahmen greift. Die Ausnahme, auf die sich praktisch jeder Hersteller stützt, ist Ihre Einwilligung, die Sie erteilt haben, als Sie vierzig Seiten Bedingungen akzeptiert haben, ohne sie zu lesen.
Und das ist nicht nur eine Vermutung. Der Hessische Datenschutzbeauftragte veröffentlicht das Ergebnis einer gemeinsamen Prüfung von sieben Aufsichtsbehörden an 16 Wearables von Herstellern, die zusammen rund 70 Prozent des deutschen Marktanteils abdecken. Das Ergebnis in einem Satz: „Kein Gerät erfüllt vollständig die datenschutzrechtlichen Anforderungen." Ein Vorbehalt gehört dazu: die Behörde datiert die Seite nicht und verweist auf eine Entschließung von April 2016, die Prüfung liegt also danach; wir sagen das dazu, statt sie als aktuell auszugeben.
Das Bild wiederholt sich international. Eine begutachtete systematische Analyse von 2025 zu den veröffentlichten Datenrichtlinien von 17 Wearable-Herstellern, unten vollständig verlinkt, fand als größtes Risikofeld der ganzen Branche die Transparenzberichterstattung, bei 76 Prozent der untersuchten Unternehmen als hohes Risiko eingestuft, gefolgt von der Offenlegung von Sicherheitslücken mit 65 Prozent. Im Klartext: Worin diese Unternehmen gemeinsam am schlechtesten sind, ist, Ihnen zu sagen, was mit Ihren Daten geschieht.
Wohin gehen Ihre Daten? Nach der Studie von 2025
Nicht jede Uhr behandelt Ihre Privatsphäre gleich, und hier ist es ehrlicher, Ihnen fremde Zahlen zu geben als unsere Meinung. Die oben zitierte systematische Analyse bewertete 17 Hersteller nach ihren veröffentlichten Datenrichtlinien, wobei ein niedrigerer Wert ein geringeres Risiko bedeutet. Das sind ihre Ergebnisse für die Marken, zwischen denen Sie wahrscheinlich wählen:
| Marke | Was die Analyse von 2025 fand | Risiko |
|---|---|---|
| Google und Fitbit | Der niedrigste Gesamtwert der 17 untersuchten Hersteller, 33 | Geringes Risiko |
| Apple | Ebenfalls als risikoarm eingestuft, und Apple erklärt, mit der eigenen Cloud synchronisierte Gesundheitsdaten seien Ende-zu-Ende-verschlüsselt | Geringes Risiko |
| Garmin | Unter den 17 untersuchten; das Geschäft ist der Verkauf von Uhren, nicht Werbung | Mittel |
| Huawei | Unter den riskantesten der Studie, mit 14 Einstufungen als hohes Risiko | Höheres Risiko |
| Xiaomi | Der höchste Gesamtwert der 17, 60 | Höchstes Risiko |
Werte aus der unten verlinkten systematischen Analyse der veröffentlichten Datenrichtlinien von 2025, abgerufen am 30. August 2026, wobei ein niedrigerer Wert ein geringeres Risiko bedeutet. Sie misst, was jedes Unternehmen über seinen Umgang mit Daten veröffentlicht, nicht die Qualität der Uhr und auch nicht, was intern tatsächlich geschieht. Wir haben eine frühere Fassung dieser Tabelle korrigiert, die Fitbit unter die freizügigsten einordnete: die Studie, auf die sie sich berief, sagt das Gegenteil.
Wenn Sie eine kaufen, gehen diese besser damit um
Eine gute Uhr muss Sie nicht ausspähen. Diese vier decken die Bandbreite ab, von der, die Ihre Daten am stärksten abschottet, bis zu dem ehrlichen Weg, gar nicht erst so viele davon entstehen zu lassen:




Die vierte Karte ist bewusst nicht die billigste Uhr, die wir finden konnten. Der günstigste Weg, Ihre Angriffsfläche zu verkleinern, ist ein Gerät, das weniger misst, und ein Armband ohne eigenes GPS baut die Karte Ihrer Woche gar nicht erst. Das ist ein Datenschutzargument, kein Preisargument. Und der Vorbehalt gehört dazu: In der Analyse von 2025 hatte genau dieser Hersteller den höchsten Risikowert der 17.
Wie Sie Ihre Uhr in 3 Schritten abschotten
Sie müssen die Uhr nicht wegwerfen. Mit diesen drei Einstellungen nehmen Sie den größten Teil der Angriffsfläche in fünf Minuten weg:
- Entziehen Sie, was sie nicht braucht. Nehmen Sie in der App den Standort von „immer" auf „während der Nutzung" zurück und schalten Sie die Weitergabe an Dritte und die personalisierte Werbung ab.
- Schalten Sie GPS aus, wenn Sie nicht trainieren. Es ist der heikelste Wert von allen. Wenn Sie es nur zum Laufen einschalten, senden Sie nicht mehr die Karte Ihres Alltags.
- Nutzen Sie Ihre Rechte aus der DSGVO. Verlangen Sie in der App den Export und die Löschung Ihrer Historie. Beides müssen die Anbieter liefern. Machen Sie es einmal im Jahr, und denken Sie daran: Der Sinn der Löschung ist nicht die Datei, die Sie zurückbekommen, sondern das, was danach nicht mehr gespeichert ist.
Wenn Sie nach diesem Text lieber ein Gerät hätten, das weniger misst und weniger sendet: Ein Fitness-Tracker deckt Schritte, Schlaf und Puls ab, ohne die Datenfläche einer vollwertigen Uhr.
Bester Fitness-Tracker 2026 ›Dieselbe Frage stellt sich noch einmal an Ihrer Wohnungstür, nur dass dort nicht Ihre Daten betroffen sind, sondern die Ihrer Nachbarn. Beim digitalen Türspion mit WLAN hat das Landgericht Karlsruhe 2024 den Ausbau eines Geräts angeordnet, das nicht einmal aufzeichnete: welche Modelle deshalb im Mehrfamilienhaus überhaupt in Frage kommen, steht dort mit dem Urteil davor.
Häufige Fragen
- Privacy in consumer wearable technologies: a living systematic analysis of data policies across leading manufacturers, Doherty, Baldwin, Lambe, Altini und Caulfield, 2025. Siebzehn Hersteller, bewertet nach ihren veröffentlichten Datenrichtlinien. Abgerufen am 30. August 2026: Quelle der Markentabelle, der 76 Prozent bei der Transparenzberichterstattung und der 65 Prozent bei der Offenlegung von Sicherheitslücken. Englischsprachig.
- Datenschutzaufsichtsbehörden prüfen Wearables, Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Gemeinsame Prüfung von sieben Aufsichtsbehörden an 16 Wearables mit rund 70 Prozent Marktanteil in Deutschland, mit dem Ergebnis „Kein Gerät erfüllt vollständig die datenschutzrechtlichen Anforderungen." Abgerufen am 30. August 2026. Die Seite trägt kein Veröffentlichungsdatum und verweist auf eine Entschließung von April 2016.
- Artikel 9 DSGVO, Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten, Wortlaut der Verordnung (EU) 2016/679. Absatz 1 stellt die Verarbeitung von Gesundheitsdaten unter ein grundsätzliches Verbot, solange keine der Ausnahmen des Absatzes 2 greift. Abgerufen am 30. August 2026.
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